A) Die Landtagswahl ist vorbei. Viele Kandidierende haben die Wahlprüfsteine des Imkerverbandes RLP zustimmend beantwortet. Der Imkerverband Rheinland-Pfalz e.V. hat die drei Spitzenkandidatinnen der Koalitionäre, Malu Dreyer (SPD), Anne Spiegel (Grüne) und Daniela Schmitt (FDP) in einem offenen Brief aufgefordert, bei den Koalitionsverhandlungen einen Runden Tisch Artenschutz/Landwirtschaft zu Beginn der neuen Legislatur zu vereinbaren und den Umweltschutz und die Landwirtschaft wieder gemeinsam in ein Ministerium zu legen. Hier….finden Sie einen Entwurf für Ihr persönliches Anschreiben an die Koalitionäre

, das Sie gerne vervollständigen oder abändern können. Je mehr Menschen diese Forderungen stellen, desto wahrscheinlicher werden sie erfüllt. Natürlich haben wir unsere ursprüngliche Absicht eines Volksbegehrens Artenschutz wie in Bayern „Rettet die Bienen“ nicht aus den Augen verloren. Jetzt ist aber erst die wunderbare Chance eines Runden Tisches mit allen Beteiligten die beste Option. Begleitend dazu haben wir hier: www.artenschutz-rlp.de/unterstuetzer. eine Petition für unsere Forderungen eingerichtet. Bitte unterschreiben Sie und verbreiten Sie sie weiter. Die Kandidierenden der anderen Parteien wollen wir auch anschreiben und um Unterstützung für unsere Forderungen bitten. Auch die Freien Wähler, die neu in den Landtag einziehen und die CDU werden wir anschreiben.

Wichtig ist uns, dass wir alle gemeinsam am Artenschutz arbeiten.

B) Erfolg:

Acetamiprid nicht mehr in die Blüte

Am 15. Januar hatten der Imkerverband Rheinland-Pfalz e.V. (IRP) zusammen mit der Aureliastiftung und den Berufsimkern das Verbot vom Neonicotinoid ACETAMIPRID gefordert imkerverband-rlp.de/wp-content/uploads/2021/01/Offener-Brief_Schutz-fuer-Bienen-und-Imkereiprodukte-vor-Pestizidbelastung_15.01.2021-002.pdf

vor wenigen Tagen gab das BVL bekannt, dass Acetamiprid nicht mehr in die Rapsblüte gespritzt werden darf. Die Zulassung gilt nur noch für eine Anwendung bis kurz vor Blühbeginn. Ein schöner Erfolg. Widerspruch und Beharrlichkeit zahlt sich aus.

C) Rübensaat mit Neonicotinoid gebeitzt durch „Notfallzulassung“

In Rheinland-Pfalz wurde durch eine sogenannte Notfallzulassung die Beizung von Zuckerrübensaatgut mit dem Neonicotinoid Thiamethoxam ermöglicht. Die Aussaat hat begonnen, doch niemand außer der ADD kennt die Standorte der Aussaat. In Bayern werden auf Einzelnachfrage Standortdaten herausgegeben. Die Naturschutzverbände überwachen die Einhaltung der Auflagen nicht. Neonicotinoide töten nicht nur Insekten und Vögel, sie können auch in winzigen Mengen das Verhalten der Tiere stören. So wird z.B. die Orientierung der Bienen und der Zugvögel gestört.

Warum geht von den Neonicotinoid-gebeitzen Rübensamen Gefahren aus und wie können Sie dabei aktiv werden?

1.) 1,4 Mrd giftbeladene Samenpillen sollen auf 12700 ha, das ist mehr als die Fläche des Nationalparks Hunsrück-Hochwald, ausgebracht werden. Wir rechnen damit, dass mindestens ein Promille nicht in den Boden gelangt. Das wären 1,4 Mio Pillen. Zwei Pillen reichen, um einen Vogel zu töten. Rein rechnerisch könnten damit 700000 Vögel getötet werden. Achten Sie bitte auf tote Vögel auf den Äckern und informieren Sie uns bitte, wenn sie tote Vögel auf einem Acker finden (artenschutz-rlp@email.de). Natürlich können auch andere Tiere die Pillen fressen, auch Kinder könnten die farbigen Kügelchen aufsammeln und in den Mund nehmen. Darum wurde von der BVL die Auflage erlassen, dass der Landwirt verschüttetes Neonic-Saatgut sofort aufsammelt. Dies wird nicht immer eingehalten. Uns liegen schon erste Meldungen von verschüttetem Saatgut vor. Da wir weder Angaben zu den betroffenen Flächen noch zu den betroffenen Landwirten erhalten haben bleibt nur die ADD, als einzige informierte Stelle und Ansprechpartner.

Wenn Sie farbige Kügelchen auf einem Acker oder Weg finden, machen Sie ein Foto davon und schicken Sie dieses mit Angaben der Geokoordinaten an: Marita.Jostock@add.rlp.de und setzen uns bitte ins cc, damit wir die Verstöße sammeln können. Auch wenn Sie wissen wollen, ob an Ihrem Wohnort neonic-Saatgut ausgebracht wird, rufen Sie in der ADD an: +49(651) 9494-528 und teilen Sie uns bitte die Antwort mit:(artenschutz-rlp@email.de).

Wenn Ihnen Auskunft verweigert wird, fordern Sie per Email an Marita.Jostock@add.rlp.de Auskunft und berufen Sie sich auf das Landestransparenzgesetz. Spätestens nach vier Wochen muss Ihnen die ADD Auskunft geben, sonst können Sie den Landesdatenschutzbeauftragten einschalten.

2.) 5% des Giftes wird von der Zuckerrübenpflanze aufgenommen, 95% geht in den Boden. Bei Regen löst sich das Neonicotinoid in Pfützen und wird von Tieren, z.B. Bienen bei der Wasseraufnahme auch aufgenommen. Bei Starkregen wird das Gift ausgewaschen und kann in die Oberflächengewässer gelangen. (H 400) Sehr giftig für Wasserorganismen. (H 410) Sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung. Darum die Auflage „Errosionsschutzmaßnahmen durchzuführen“. Wie das geschehen soll wurde nicht beschrieben.

3. Da Neonicotinoide systemisch wirken, geht das Gift in alle Pflanzen, die auf neonicotinoidhaltigem Boden wachsen. Bei blühenden Pflanzen findet sich das Gift auch im Nektar und in den Pollen. Darum wurde die Auflage erlassen, keine blühenden Pflanzen auf den betroffenen Äckern wachsen zu lassen. Sie müssen vor der Blüte entfernt werden.

Wenn Sie Blühende Pflanzen auf einem Zuckerrübenacker sehen, machen Sie bitte ein Foto und schicken Sie es mit den Geokoordinaten an Marita.Jostock@add.rlp.de, mit der Bitte um Information, ob es sich um einen Acker mit Neonic-Rüben handelt. Leiten Sie uns die Antwort zur Dokumentation bitte weiter (artenschutz-rlp@email.de).

Da Neonicotinoide sehr lange im Boden bleiben ist auch im Folgejahr verboten, auf den betroffenen Äckern blühende Pflanzen anzubauen.

4. Was gar nicht berücksichtigt wurde, ist das Phänomen der Gutation. Pflanzen scheiden an ihren Blättern kleine Flüssigkeitströpfchen aus. Bienen und andere Insekten nehmen die Gutationsflüssigkeit gerne auf. Leider enthält sie auch das Neonicotinoid. Wenn Sie auf einem Zuckerrübenacker eine Biene auf einem grünen Blatt sitzen sehen, machen Sie bitte ein Foto und schicken es uns, (artenschutz-rlp@email.de), danke.

Dr. Lang von der Südzucker stellt das anders dar. Damit Sie sich ein Bild machen können, hier seine Stellungnahme: www.ruebe.info/wp-content/uploads/2021/01/Stellungnahme-des-Verbandes-der-H.-Pf.-Zuckerruebenanbauer-zum-Artikel-der-AZ-Tierschuetzer-gegen-Kloeckner.pdf

Bitte bedenken Sie, dass die Verantwortung für die Aussaat der Neonic-Beitze, für die fehlenden Monitoringmaßnahmen, für die Intransparenz und Heimlichtuerei bei Minister Wissing (FDP) liegt. Darum bitten wir Sie, seien Sie freundlich zu den Landwirten, die haben das nicht verbockt.

D) Neue Studie

Amphibien sind durch Pestizide stark gefährdet. Das ist das Ergebnis einer Studie aus Landau: www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/weinbauern-fungizide-toeten-froesche-100.html Amphibien haben eine viel durchlässigere Haut als Säugetiere. Fungizide, wie das als nicht bienengefährlich eingestufte Captan können Amphibien schon bei niedriger Konzentration töten. Amphibien werden bislang bei der Zulassung von Pestiziden nicht berücksichtigt. Captan wurde 2018 am Pestizidhotspot von RLP mit 2460 µg/kg nachgewiesen. Die Höchstgrenze in Honig beträgt 50 µg/kg. Amphibien könnten am Pestizidhotspot durch die hohe Captanmenge getötet worden sein.

E) Höchstmengen für Pollen aus der EU-VO rausgenommen

Nachdem 2017 zunehmend Kritik in der Öffentlichkeit an den Pestizidrückständen in Blütenpollen laut wurde (96% der Proben im Deutschen Bienenmonitoring waren belastet) hat die EU reagiert und eine kleine Fußnote(7) in die Verordnung (EG) 2018/62 eingeführt, die die Höchstmengen für Pollen entfernt. Seither gibt es Höchstgehalte nur noch für Honig, nicht mehr für Pollen. Es gibt keinerlei Rechtsrahmen mehr für die Bewertung der Rückstände beim Handel und Verzehr von Blütenpollen und Bienenbrot. EU = Problemlösung mit Fußnoten?

F) Petition: weact.campact.de/petitions/giftexporte-stoppen

Wenn wir keinen Import von umweltschädlich produzierten Erzeugnissen wollen dürfen wir auch keine Umweltschädlichen Erzeugnisse exportieren.

G) Philosopie: Die Bürgermeisterin von Paris, Frau Hidalgo empfiehlt: „Nehmen Sie die Pariser Philosophin Corine Pelluchon, sicher kein Weltstar! Ihr wurde gerade in München der Günther Anders-Preis verliehen, und sie wird nun ihre Arbeit in Hamburg fortsetzen. Pelluchon beschäftigt sich mit Tieren, der Natur und allem, was lebendig ist – in einer Zeit, in der die Zerstörung um uns herum zunimmt.“ (Zeit online 24.02.21)

„Für uns Heutige sind es die Erosion des Politischen in den Demokratien und die ökologische Gefahr, die Gewalt gegenüber dem nichtmenschlichen Leben, die uns vor die Frage stellen, wer sich um wen kümmert, wie wir uns für den Anderen öffnen, wer sich um das Lebendige sorgt und die Bedürftigkeit anerkennt, wenn die politischen Institutionen dazu nicht in der Lage sind oder sich verschließen.“ Corine Pelluchon in www.zeit.de/2019/33/emmanuel-levinas-andersartigkeit-verwundbarkeit-sterblichkeit-philosohpie

Eines Ihrer Werke ist auf Deutsch erschienen: „Ethik der Wertschätzung“

H) Studie zu Kosten des Artenschutzes in RLP

Der NABU Rheinland-Pfalz e.V. als Initiator stellt zusammen mit anderen Naturschutzverbändern und der Arbeitsgruppe Ökologischer Landbau Rheinland-Pfalz / Saarland e.V. (AÖL) einen Finanzbedarf von 148 Mio für Umweltmaßnahmen in der Landwirtschaft vor. Der NABU fordert von der künftigen Landesregierung einen verbände- und institutionsübergreifenden Dialog.

rlp.nabu.de//natur-und-landschaft/landwirtschaft/29533.html

I) zum Schmunzeln: eine Frage von LandschaftVerbindung:

„Wie steht lhre Partei zur Ausbreitung der Wolfspopulation,...?“

Tierschutzpartei: „... Mit bio-veganer Landwirtschaft müssen Landwirt*innen̈ keine Schäden durch den Wolf befürchten.“

Lebendige Grüße,

Ihr Matthias Reimann von den Blühenden Landschaften
und
Franz Botens vom Imkerverband Rheinland-Pfalz e.V.

artenschutz-rlp@email.de,
015730620633
www.artenschutz-rlp.de